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. Hitchhiker's Guide to Magic: PT London 2005

Teil 1: Anreise

von Eiko Nörtemann am 12.07.2005

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Über diesen Artikel: Eiko Nörtemann berichtet von seinem Trip zur Pro Tour London. Im ersten Teil berichtet er von seiner Anreise, den Whitecliffs und Terroranschlägen.

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Moin zusammen.
Dieser Artikel fällt wahrscheinlich etwas anders aus, als jene die ich bislang für den Angler geschrieben habe. Zum einen wird er wohl durch das ganze landeskundliche Zeug viel umfangreicher werden, zum anderen hat der für Magic-Spieler interessantere Teil, der eigentliche Turnierbericht einen schönen Klimax: Vom Horrorstart im ersten Turnier, zu einem halben (!) Happy End im zweiten.

Im Vorfeld der ProTour hatte ich schon beschlossen, auf jeden Fall nach London zu fahren. Dem zu Folge hatte ich auch doppelt so viele Qualifier gespielt, wie ich sonst zu einer Pro Tour schaffe, nämlich genau 2. Natürlich waren beide nicht von Erfolg gekrönt, der PTQ in Dortmund verlief nach dem vielversprechenden 4-0 Start dann doch eher unspektakulär mit dem 4-3. Der PTQ in Hamburg war dann äußerst durchwachsen, alles in allem hat selbiger dann auch nur zu dem guten 3-3 Drop gereicht. Vom GP Leipzig will ich gar nicht erst reden...
Nun denn. Also hieß es in der Zuschauerrolle nach London zu fahren (genau: zu fahren, nicht zu fliegen). Selbige Tour habe ich dann inklusive Freundin und Tochter auf mich genommen, was sich schlimmer anhört, als es war. Das einzig nervige war die megalange Anreise nach Calais. Aber da mein Part sowieso im Fahren durch England lag, konnte ich zumindest zwischenzeitlich mal die Augen zu machen. Auf der Hinfahrt hatte ich dann auch irgendwo zwischen Antwerpen und Oostende eine Vision: R/G Beatz mit Trollen und Thoughts of Ruin! Das wäre ein Plan für Standard, aber davon weit später mehr. Zunächst aber weiter im Reiseberichtteil.

Wir kamen dann auch recht zeitig in Calais an, etwa zwei Stunden vor dem Einchecken, also noch genug Zeit, so dass jeder von uns noch eine anständige Mütze voll Schlaf einsammeln konnte. Bei den freundlichen und stets gutgelaunten (Achtung Ironie!) Franzosen dann das Ticket und den Pass vorgezeigt und ab auf das Schiff. Die Überfahrt ging dann wie immer recht zügig vonstatten. Der Anblick der White Cliffs of Dover ist schon etwas sehr Atemberaubendes. Selbst nachdem ich selbige nun bereits das fünfte oder sechste Mal gesehen habe, freue ich mich doch immer wieder darauf. Irgendwie ist England schon so was wie meine Wunschheimat geworden.

Ab vom Schiff und hinein ins Vergnügen: Linksverkehr. Für so manchen wohl sehr gewöhnungsbedürftig, für mich ein alter Hut. Dementsprechend heizte ich dann auch in Richtung London und der Horror nahm seinen Lauf. Mir war ja schon vorher bewusst, dass der Stadtverkehr von London heftig werden würde, zumindest die Reise vor zwei Jahren zum GP London und dem weit außerhalb liegenden Hotel war schon schlimm genug gewesen und weckte üble Erinnerungen, aber diesmal waren wir so clever und haben einen Hotel in direkter Nähe zum Earl?s Court, dem Austragungsort der Pro Tour genommen. Das hatte zwar den Vorteil, nur etwa 10 Minuten zu Fuß zum Austragungsort zu gehen, aber dementsprechend weit mussten wir natürlich auch in die Stadt rein fahren. Wie erwartet übelster Stau. Als wir dann nach etwa zwei Stunden Schleichfahrt im Stadtteil Kensington angekommen waren verzögerte sich das ganze noch mehr, denn überall fuhren plötzlich Polizei- und Krankenwagen vorbei, das reinste Chaos. Wir waren dann doch sehr irritiert, denn wir wussten nicht so recht, ob etwas passiert war. Dann bekam die Tochter meiner Freundin eine SMS von ihrem Freund, der uns mal eben erzählte, dass es in London mehrere Bombenanschläge gegeben hatte. wOOt?

Also fix das Radio eingeschaltet und tatsächlich, auf allen Sendern nur ein Thema: Terrorist Attacks on London Underground. Ähm... alles Klar. Dazu fing es dann netter Weise auch noch an, aus Eimern zu gießen. Nicht so der altbekannte Regen, mit dem man in Bremen verwöhnt wird, nein: eimerweise! Sintflut! Eben englischer Regen...

Nachdem wir uns dann auch etliche Male derbst verfahren hatten, kamen wir doch endlich triefendnass beim Hotel an. Die Moral war auf dem Tiefpunkt. Der beste Scherz, wenn auch schon im Vorfeld bekannt, war dann noch der nicht vorhandene Hotelparkplatz. Also beim netten Inder von nebenan ins Parkhaus gefahren und mal eben solide 15 Pfund für eine Nacht hingelatzt. Der Inder erzählte mir dann auch sogleich in supermiesem Englisch, dass das Parkhaus nur an Wochentagen geöffnet hat, also mussten wir uns für das Wochenende einen neuen Parkplan überlegen. In England sind die Leute von der Traffic Control nämlich sehr schnell mit dem Abschleppseil oder der Wheelclamp dabei (und glaubt mir, dass ist noch übler, als eine First Turn Skullclamp im Affinity Deck). Das Hotel war erwartungsgemäß eher von der ranzigen Sorte. Na ja, Central London und Billig Hotels geht auch irgendwie nicht zusammen. Immerhin war es einigermaßen sauber und es gab sogar einen Fernseher, mit dem man sich über die aktuelle Lage in London bestens informieren konnte. Auf allen Sendern Exklusivberichte der Terroranschläge. Am krassesten war wohl das Bild vom komplett zerlegten Bus und die entsprechenden Kommentare, dass man bislang aus dem Bus nur 2 Tote identifizieren konnte, eine genaue Zahl war noch nicht abzuschätzen. Dank der Bombenanschläge war an U-Bahn fahren natürlich erst mal nicht zu denken. Also marschierten wir die Einkaufsstrasse von West Kensington rauf und runter und verleibten uns ein halbwegs schmackhaftes Abendessen in einem Fish&Chips Laden ein. Englisches Essen muss man mögen, sonst bekommt man es wohl nur schwer durch den Hals. Besonders die Pommes sind gewöhnungsbedürftig. Eher von labriger Konsistenz und grob geschnitten. Besonders fies wird es dann noch, wenn man selbige nach einheimischer Tradition mit dem Malt Vinegar (Essig!) verfeinert. Kotz. Na ja, wer?s mag... Mein Ding ist es jedenfalls nicht.

Nach einigen grundlegenden Einkäufen und einer dementsprechenden Grundversorgung mit Nahrung und Flüssigkeit ging es dann erst mal wieder ins Hotel zurück, war ja auch mittlerweile schon recht spät. Viel machen konnte man eh nicht mehr, den Austragungsort des Turniers hatten wir schon gesehen, Last Chance Qualifier Zocken kann gar nix, weil man am nächsten Tag wohl nicht mal mehr halbwegs geradeaus gucken kann und Sight-Seeing fiel aus wegen mangelnder Nahverkehrsanbindung. Und wenn man schon im Radio eindringlich gesagt bekommt ?Avoid travelling to Central London under all circumstances? weiss man, dass man nicht mal versuchen sollte auch nur in Stadtnähe zu gelangen.
Totmüde fielen wir dann in die sehr weichen Betten, von denen man gerne mal Rückenschmerzen bekommt und jede verdammte Sprungfeder auf die Wirbelsäule drückt.

Soweit zum ersten Tag in London. Da war jetzt zwar noch nicht so viel Pro Tour zu lesen, aber ich denke der Prolog ist wichtig, um zu wissen wie die allgemeinen Voraussetzungen waren.
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