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Million Euro Challenge...

von Matthias Ludewig am 29.09.2007 um 21:44 Uhr

Heute fand im Estrel Convention Center in Berlin das Full Tilt Poker One Million Euro Challenge statt, und ich war da. Ich war sogar dabei.

Magicspielern wird der Ort was sagen, denn dort sind viele schonmal zum Kartendrehen gewesen: Das Estrel war Austragungsort der Weltmeisterschaft 2003 in Berlin.

Short aside: Wer Poker eher nicht so super findet, betätigt den Backbutton seines Browsers

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Heads Up!

Für das Turnier mit dem langen Namen konnte man sich online bei Full Tilt Poker qualifizieren, man brauchte nur einen Account und konnte kostenlos an einem Qualifier teilnehmen. Das ganze ist natürlich eine riesige Werbeveranstaltung und funktioniert wie folgt: Es gibt über Deutschland verteilt 6 Städte in denen so ein Turnier ausgetragen wird. Ist man dafür qualifiziert (wie ich, online, oder über eine Wildcard, die man sonstwo erhalten hat), wird man, zusammen mit 2100 Teilnehmern, auf 210 10-Mann-Tische verteilt. Die Sieger jedes einzelnen Tisches qualifizieren sich für ein Multitable-Turnier, was am selben Abend stattfindet und bei dem es Sachpreise zu gewinnen gibt. Da so ein Turnier in 6 Städten stattfindet, gibt es 6 Gewinner, die dann nach München eingeladen werden zu einem weiteren Turnier, wo der Sieger wohl 50.000 Euro mit auf den Weg bekommt.
Million Euro Challenge heißt es deswegen, weil wiederum der Gewinner des Endrunden-Endrunden-6-Mann-Turniers in München nacheinander gegen 3 Pokerpros des Full Tilt Teams im Headsup antreten muss. Besiegt er alle drei, bekommt er eine Million. Klingt Fair^^.

Das Online-Qualifizieren war übrigens nicht sonderlich schwer. Man musste nur bei einem Turnier von runde 250 Spielern unter die ersten 60 kommen. Einmal mit AKo gegen KK gewonnen und gut wars :-).

Da sein zum Registrieren sollte man um 12 spätestens, dort bekam ich dann Platz- und Sitzkarte und ich erfuhr, dass das ganze in 3 Heats aufgeteilt war, die nacheinander starten sollten. Ich war natürlich im letzten, das heißt um 17 Uhr. Nice.

Drinnen wurden überall Möglichkeiten angeboten, sich nachträglich für das Turnier zu qualifizieren: Sit'n'Go's, kleine 10-Mann Turniere, wo jeweils der Gewinner eine Wild Card erhielt, sowie Headsuptische. Trotzdem, ich war schon qualifiziert und kannte keinen und war eine Weile ziemlich pissed, aber dann sollten mir meine Magicbeziehungen doch weiterhelfen: Ich traf nämlich tatsächlich bekannte, nämlich Thoralf Severin, mit dem ich wenige Wochen zuvor von der DM zurück nach Berlin gefahren war, und Lukas Rohland. Toffel habe ich übrigens genau an dem Ort kennengelernt, wo wir uns heute trafen, nämlich bei den Worlds 2003 im Urza Sealed Side Event, wo ich nach eine sehr langen Tag ungefähr jede Runde vergessen habe, eine Marke auf den Torch Song zu legen obwohl er mich auch jede Runde dran erinnerte.

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Chris Ferguson ist der Möhrenschneider

Und es kam noch besser: Ich hatte gar nicht damit gerechnet, aber auf einmal machte es Um-Tataa und das Full Tilt Poker Team, bestehend aus Phil Ivey, Allen Cunningham, Clonie Gowen, John Juanda, Phil Gordon, Erik Seidel und Andy Bloch marschierten in die Halle. Wer öfter mal High Stakes Poker oder ähnliches auf DSF guckt, wird die meisten davon kennen. Moderiert und übersetzt wurde das Geschehen übrigens ebenfalls von einem DSF-Bekannten nämlich von Eddy Scharf. Die einzigen, die nicht da waren, waren Jennifer Harman, Mike Matusow und Gus Hansen.

Wusstet ihr übrigens, dass Chris Ferguson TATSÄCHLICH Gemüse mir einer Spielkarte zerschneiden kann? Ich dachte, das wäre klar geschummelt. Aber Fehlanzeige. Ob ihrs glaubt oder nicht, auf der Bühne hat er mit einer Spielkarte eine Karotte zerhauen. Dafür haben sie extra eine Glasscheibe auf die Bühne gebracht. Wer es nachmachen will, hier.

Danach gab es ein paar "Workshops" zu den Themen bluffen, Odds and Outs etc., wo dann einige Pros auf der Bühne einige Allgemeinplätze verbreiteten. Sehr lustig anzusehen war aber, in einer abgeteilten Area Chris Ferguson beim Headsup Multitabling zu beobachten (die er beide gewann) und wie irgendein Mensch, der offensichtlich noch nie Headsup gespielt hatte, von John Juanda völlig auseinandergenommen wurde: Juanda brachte ihn sogar dazu, mit einem sehr kleinen Stack TT gegen ein All-In von Juanda zu folden, obwohl er schon das dritte Mal hintereinander All-In ging...

Zudem wurde man mit jeder Menge Zeugs zugespammt: Es gab ein Full Tilt Basecap, ein Full Tilt Mouse Pad, ein Foto mit dem Full Tilt Team (Fotomontage vor Bluebox), ein Full Tilt Kartenspiel und ein Full Tilt Poster, auf das man sich eine Full Tilt Pro Unterschrift bekommen konnte. Nichts spannendes hier, also auf zum Turnier.

Das ganze hatte eine ziemlich bescheuerte Blindstruktur. Jeder bekam 5000 Chips und die Blinds im ersten Level lagen bei 100/100, keiner weiß wieso, jedenfalls habe ich noch nie erlebt, dass der Small Blind ein ganzer Big Blind ist. Nach 12 Minuten gings dann hoch auf 100/200 und dann 200/400. Also ehe man sichs versieht, hätte man kaum noch Chips übrig. Ich wollte also durchaus Tight spielen aber sehr aggressiv und wenn es auf Coinflip-Entscheidungen ankommt, diese auch riskieren, denn schließlich brachte nur der erste Platz etwas.

Die erste Hand überhaupt war KQs zwei Plätze links vom Big Blind. Mit noch 6 Spielern hinter mir und bereits einem Limper Hand war ich mir über die Spielweise unsicher, da ich einerseits ein Raise in so einer frühen Position mit so einer Trouble Hand schwerlich riskieren will (wenn die Gegenspieler gut sind, callen immer nur bessere Hände mein Raise), andererseits bei einem so kleinen Stack auch ungern limpen will, vor allem völlig Out of Position. Ich hab es dann gefoldet, im Nachhinein ein Fehler, weil vor dem Flop fast nie geraist wurde und es sehr wahrscheinlich war, einen billigen Flop zu sehen. Aber man kann es nie wissen.

Zwei Hände später war dann das erste Opfer zu beklagen, die einzige Frau am Tisch. Nachdem mal wieder 7 Mann den Flop gesehen hatten, bettet sie Flop und Turn jeweils mittelgroß an und wird vom Cutoff beide Male an. Am River pairt sich das Board zu KQT-8-K, sie bettet erneut 1000 Chips, wird mit einem Reraise All-In konfrontiert und entscheidet dann, dass ihr Underpair doch zu gut ist um es zu folden und wirft ihre letzten 2500 Chips in den Topf. Sie zeigt 77 für ein Underpair und verliert gegen KT mit dem Full House. Oh. Mein. Gott.

Als ich im Big Blind bin, calle ich 78o, gegen einen 300er Raise, weil noch mehrere andere im Pot sind und ich gute Odds bekomme, muss aber folden. Direkt danach kommt aber eine Spielbare Hand: AKs im Small Blind, ein Spieler in früher Position limpt, alle andere folden zu mir hin und ich erhöhe auf 400. Der Limper geht mit, foldet aber auf meine 500er Continuation Bet in den 900 Chips Pot. Direkt danach kommt wieder eine ganz gute Hand im Button, JTs, aber ich muss folden als vor mir geraist und gereraist wird.

Danach kommen mehrere Runden absolut gar keine Hände mehr, und ich beobachte wie der Spieler, der früh aufgedoppelt hat, nach und nach seine Chips gegen fragwürdige Plays verliert und wie einer mit einem gefloppten Flush vom Tisch genommen wird, weil er nicht genug protectet hat und am River die vierte Flushkarte kommt. Bei einem gefühlten Odds von 1000000 zu 1 muss er auch noch den River callen und verliert erwartungsgemäß.

Dann kommt irgendwann die entscheidende Hand: Blinds sind schon 200/400 (ich habe keine Hand gespielt in der Zwischenzeit), alle folden zu mir im Button, wo ich QTo auf 1200 raise. Der Big Blind, eben jener Knilch, der direkt in der dritten Hand verdoppelt hat und fast alle wieder verloren hat, callt mich und bettet bei einem Flop von 984 seine restlichen 2400 Chips in mich rein. Ich liege natürlich sehr sicher hinten, habe aber 10 Outs, 4 auf die Straße und 6 auf Top Pair. Wenn er eine Hand wie T9 oder Q9 hat, muss ich da eventuell abwerten, insgesamt gebe ich mir eine Siegchance von ungefähr einem Drittel. Da ich nur 2400 callen muss, der Pot aber bereits 5200 Chips zählt, entschließe ich mich, zu callen — und verliere Erwartungsgemäß gegen J9 als Turn und River keine Hilfe bringen. Geholfen in der Entscheidung hat mir sicherlich auch die am Nebentisch lautstark verbreitete Botschaft, dass Werder 8:1 gegen Bielefeld gewonnen hat und ich nach Hause will um Sportschau zu sehen ;-).

Jedenfalls habe ich nach dieser Aktion nur noch 1000 Chips, die ich dann irgendwann auf K3s setze, von viel zu vielen gecallt werde und verliere.

Tja, das war mein erstes Liveturnier abgesehen von Homegames und lustig wars allemal. Was besseres hätte ich zu Hause eh nicht zu tun gehabt, außer vielleicht meine Hausarbeit schreiben oder für ne mündliche Prüfung lernen, aber man gönnt sich ja sonst nichts. Ingesamt wars sehr lustig und wenigstens weiß ich jetzt das Phil Ivey tatsächlich so bescheuerte Gesichtsausdrücke machen kann.

So long, morgen gibts Lorwyn Prerelease!


Kofi
Kommentare
von TimR | 30.09.2007 um 01:20 Uhr
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von Kofi | 30.09.2007 um 10:50 Uhr
Avatar Was ist SuperSystem? :-D
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